Geschichte

Die Musikgemeinde ist im Jahre 1930 als Musikgemeinde Harburg-Wilhelmsburg gegründet worden.

Sie verdankt ihre Gründung dem Neubau des großen Schulkomplexes am Postweg, in dem die Friedrich-Ebert-Halle eingefügt ist.

Unter dem starken Eindruck des Konzertes zur öffentlichen Einweihung am 15. Januar 1930, in dem Karl Muck seine Hamburger Philharmoniker dirigierte (Programm von 1930), wurde der Entschluss gefasst, eine besondere Musikgemeinde für Konzerte in der Friedrich-Ebert-Halle zu gründen. Einem Aufruf in der Presse folgte als erste Abonnementsveranstaltung des „Musikgemeinde Harburg-Wilhelmsburg“ genannten Vereins am 25. September 1930 ein Beethoven-Konzert der Hamburger Philharmoniker unter der Leitung von Hermann Abendroth.

Mitglieder der Musikgemeinde Harburg-Wilhelmsburg waren nach der Satzung von 1932 nur Vertreter von Körperschaften und kulturellen Vereinigungen, nicht aber Einzelpersonen. Schon in der ersten Satzung von 1930 war die Musikgemeinde als Dachorganisation gedacht.

Der Musikgemeinde Harburg-Wilhelmsburg traten die Vertreter der Stadtgemeinde Harburg-Wilhelmsburg bei, der Freien Volksbühne, der Theatergemeinde, des Vereins für Kunst und Wissenschaft, des Lehrervereins, des alldes allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, des allgemeinen Deutschen Beamtenbundes und, neben weiteren, die der Arbeitsgemeinschaft landsmännischer Vereine.

Die Musikgemeinde behielt diesen Namen auch nach der Eingliederung von Harburg-Wilhelmsburg in den Stadtstaat Hamburg im Jahre 1937. Am 26. April 1939 wurde im Vereinsregister jedoch folgender Eintrag vorgenommen: „Nach Wegfall aller Mitglieder ist der Verein von Amts wegen gelöscht worden.“ Für die Löschung von Amts wegen liegen Austrittserklärungen oder sonstige Nachweise für den Wegfall nicht vor. Aus den Akten des Staatsarchivs ergibt sich aber, dass die NS-Kulturgemeinde schon in der Saison 1936/37 in die Konzertveranstaltungen der Musikgemeinde eingegriffen und damit ihre weitere Tätigkeit beendet hat.

Die Musikgemeinde hatte ihre Konzerte seit der Gründung durch Einzelkartenverkauf und durch Abonnements finanziert. Es nahmen bis zu tausend Personen an den einzelnen Veranstaltungen teil. Sie erhielt jährlich die Zinsen aus der Wilhelm-Weber-Stiftung und durfte die Friedrich-Ebert-Halle, die nach 1933 Stadthalle genannt wurde, unentgeltlich für ihre Veranstaltungen benutzen.

Im 2. Weltkrieg wurde die Friedrich-Ebert-Halle zerstört. Auch die Lebensbedingungen, unter denen die Musikgemeinde schon bald nach Kriegsende ihre Tätigkeit wieder aufnahm, hatten sich erheblich verändert. Unter der Bezeichnung Musikgemeinde Harburg wurde sie 1947 erneut in das Vereinsregister eingetragen mit dem Zweck: „die Pflege guter Musik zu fördern und durch laufende Veranstaltungen von Konzerten diese den Volksgenossen und vor allem seinen Mitgliedern näher zu bringen.“

Die Musikgemeinde wird also als Vereinigung von Einzelpersonen und nicht mehr als eine Dachorganisation von Körperschaften und Vereinen wiedergeschaffen.

Schon in den Jahren 1945 und 1946, als nur kleine Säle in den Häusern der Firmen Thörl und Phoenix zur Verfügung standen, wurde die rege Konzerttätigkeit wieder aufgenommen. Dies zeigt, dass der Wille, die einmal begonnene Arbeit „zum Nutzen der ganzen Einwohnerschaft Harburgs“ fortzusetzen, ungebrochen war. Dr. Dudek, Harburgs letzter Oberbürgermeister und nach 1945 Finanzsenator in Hamburg, hatte schon als Initiator der Gründung 1930 den Sinn der Musikgemeinde so formuliert. Trotz aller widrigen Umstände folgte eine Konzertsaison mit ihren 5 oder 6 Abonnementsveranstaltungen der anderen, bis im November 1950 die erneut Friedrich-Ebert-Halle genannte Stadthalle wiederhergestellt war. Bald wurde die Zahl von tausend Mitgliedern erreicht und weit überschritten.

Ab Mitte der sechziger Jahre ging dann jedoch die Zahl der Mitglieder dramatisch zurück; die Interessen der „Wirtschaftswundergesellschaft“ hatten sich verlagert. Die Existenz der Musikgemeinde war stark gefährdet. Erst in den siebziger Jahren gelang es dem in seiner Zusammensetzung veränderten Vorstand, die Mitgliederzahl langsam wieder zu erhöhen – und damit auch die Anzahl der Konzerte.

Die Geschäftsführung hatte bis zum Jahr 2015 Siegfried Bonhagen inne, der die Geschicke der Musikgemeinde 48 Jahre lang führte. Er erhielt 2016 für seine Verdienste bei der Musikgemeinde aber auch für die Bereicherung der Kultur Harburgs den Harburg Teller, ein gestifteter Ehrenpreis für besonderes bürgerschaftliches Engagement im Bezirk Harburg.

Seine Nachfolge trat zur Saison 2015/2016 Karola Parry an. Für Siegfried Bonhagens Verdienste wurde ihm 2015 die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit verliehen.

Zum Saisonstart 2021/22 wurde von der Mitgliederversammlung Jörn Feddersen als neuer Erster Vorsitzender gewählt. Er tritt damit die Nachfolge von Prof. Dr. Hermann Rauhe an, der – neben seiner Tätigkeit als Präsident der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, sowie Initiator vieler wichtiger Kulturstiftungen – dieses Amt bei der Musikgemeinde Harburg seit 1975 bekleidete. Für Hermann Rauhes Verdienste wurde ihm 2021 die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit verliehen.

Die Musikgemeinde Harburg besteht bis zum heutigen Tag; sie bietet ihren Mitgliedern 10 Konzerte in der Friedrich-Ebert-Halle sowie 3-4 Veranstaltungen im Harburger Theater/Helmssaal und anderen Veranstaltungsorten. Mit den Beiträgen der Mitglieder bestreitet der Verein sämtliche Kosten für die Organsisation der Konzerte einschließlich der Honorare, der Miete für die Friedrich-Ebert-Halle, für den Druck der den Mitgliedern unentgeltlich digital und am Konzertabend bereitgestellten Programmzettel.

Die Musikgemeinde Harburg ist seit der Saison 2018/19 Mitglied des Steinway Prizewinner Concerts Network.

Die Mitgliederzahl liegt seit Jahren bei etwa tausend, es gibt freie Plätze, die über Frau Sonja Wiegels (Tel. 040-76751111) vergeben werden.